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Nord Ionien

Griechenland hat mehr als 3000 Inseln. Interessant wäre zu erfahren, wie Insel definiert ist. Bewohnt sind allerdings weniger als 200. Und da nur auf bewohnten Inseln gastronomische Einrichtungen zu finden sind, peilen wir als Island of Entry eine solche an: Erikoussa. Nach gut 60 – überwiegend gesegelten – Meilen erreichen wir die nördlichste der sogenannten Diapontischen Inseln und ankern in der Südbucht vor dem kleinen Hafen. Unglaublich. Wir in Griechenland.

Ja, es ist hübsch, und entspannt, überraschend grün, wenig touristisch, trotzdem mit Taverne. Aus meteorologisch Sicht jedoch sehr exponiert. Hier weht es eigentlich immer sehr munter, hauptsächlich aus Nordwesten, und um sicher und ruhig zu schlafen muss man ein wenig Glück haben.

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Zwei Nächte sind aber auch genug, zumal das Wetterglück für Erikoussa aufgebraucht ist. Wir verziehen uns nach Korfu und suchen Schutz in der Bucht des Heiligen Georg (Agios Georgios). Das klappt auch und wir haben zwei Tage Zeit zum Lesen, Blog schreiben, schlafen, lieben, kochen, SUP-boarden und bei 18 °C! ohne Neoprenanzug zu baden.

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Nachdem die Luft wieder rein ist, zieht es uns nach Mathraki, der kleinsten der drei Diapontischen Inseln. Wider Erwarten bekommen wir den Segen der Windgötter und können drei sehr ruhige Tage und Nächte hinter der kleinen Hafenmole am Anker verbringen.

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Segelfreunde von Segelfreunden hatten einmal verlauten lassen, man könne ausgezeichnet speisen auf diesem 300-Seelen-Eiland. Um das herauszufinden machen wir das Beiboot klar. Der kürzeste Weg an Land entpuppt sich nicht als der geeignetste, denn der Versuch an einem Haufen moderndem Seegras anzulanden endet darin, dass La Capitana Anke mich – der ich mich, fein gemacht mit Hemd und Hut, stolz im Beiboot in voller Länge aufrichtete – mittels eines plötzlichen kräftigen Rucks an der Festmacherleine rücklinks über des Gummibootes Heckspiegel in den schwarzbraunen, verschlickten Posidoniaschmadder katapultiert. Die Landung war weich und nix Ernsthaftes ist passiert. Nur sehe ich nach dem Auftauchen aus wie ein Mischwesen aus Gullitaucher und Davy Jones aus „Fluch der Karibik“. Bei jeder Äquatortaufe hätte ich überzeugt und den ersten Platz im Kostümwettbewerb belegt. Zugegeben: meine Laune entsprach im Wesentlichen meinem Erscheinungsbild, während Ankes nicht enden wollender Lachanfall einen Bauchmuskelkater hinterließ. Auch bedauert sie, das Beweisfoto schuldig bleiben zu müssen (ist zu verwackelt wegen Lachkrampf). Noch Tage später sollten sich in allen Taschen und Falten meiner Ausgehkluft Büschelchen von Seegrasblättern finden.

Der Zweck unserer Landgangsbemühungen ist – wie bereits erwähnt – die empfohlene Taverna aufzusuchen, wozu man laut www eine halbe Stunde strammen Fußmarsches bergauf benötigt und die angeblich ausgerechnet montags – als heute – um 13:00 Uhr schließt. Jedenfalls wirft uns – die wir ohnehin spät dran waren – Zurückrudern, Duschen, Kleidung spülen usw. zeitlich weit zurück. Zwar kommen wir diesmal trocken an Land (Sandstrand), müssen aber die Siebenmeilenstiefel anschnallen, um vor eins noch ein Erfrischungsgetränk zu ergattern, zumal es windstill und unterdessen über 30 Grad heiß ist. Zum Glockenschlag schleppen wir uns dem Sturmschritt angemessen durchgeschwitzt und mit hängender Zunge die kurze Treppe zur Holzterrasse des „Al Fresco“ hoch, wo uns der Wirt mit strahlendem Lächeln begrüßt. Auf unsere Frage, ob er uns noch mit einem schnellen Getränk vor dem Tod durch Verdursten retten könnte, blickt er irritiert und fragt nach unseren Wünschen. Nachmittags geschlossen? Steht so auf der Website? Ach so? Nein, nein. Sie seien doch schließlich hier, also sind Tresen und Küche geöffnet.

Im Schatten alter Olivenbäume sitzend eröffnen sich unglaubliche Blicke gen Westen. Man kann sich nicht satt sehen. Zum Sonnenuntergang muss es einfach unglaublich sein hier oben. Warum sind wir die einzigen Gäste an diesem malerischen Ort?

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Und wieder mal geschieht es: Wir kommen sofort ins reden und es menschelt wunderbar. Chris und Gattin Xenia betreiben im warmen Halbjahr auf diesem angestammtem Familienland seit einigen Jahren diese Taverne nebst B&B für besonders Ruhebedürftige, ansonsten leben und arbeiten sie auf Long Island in den USA. Ja, Chris ist auch Segler … Xenia hat vor 20 Jahren die polnische Heimat verlassen und das Glück erst in Berlin und später in Übersee gesucht … Und, es gibt so viele Geschichten, die darauf warten, erzählt zu werden. Zum umgehend verabredeten Abendessen werden wir mit dem Golfcaddy am Strand abgeholt, und sicherheitshalber nachts auch wieder dort abgeliefert. Weil es so schön und das Essen überaus köstlich war und auch das Wetter mitspielt und wir das Inselchen erkunden wollen, bleiben wir noch zwei Tage und genehmigen uns ein weiteres Mahl aus Xenias exzellenter Küche. Wieder sind wir die einzigen Gäste mit Migrationshintergrund. Gespeist wird am großen Tisch in fröhlicher Runde mit Freunden, Familie und Personal. Überraschender- oder notwendigerweise sprechen alle englisch. Getränke und Speisen sind vorzüglich. Alle Zutaten für einen unvergesslichen Abend sind gegeben. Es kann so einfach sein …

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Sehr zufrieden und mit einer Marina- und Restaurantempfehlung sowie dem festen Vorsatz des Wiederkommens im Gepäck verlassen wie das Inselchen Mathraki Richtung Othonoi, der dritten und größten der Diapontischen Inseln. Auch hier lohnt ein Besuch. Die „Besteigung“ des Hausberges offenbart großartige Aussichten auf die üppig grünen Schwesterinseln, unglaublich klares Wasser, Korfus weiße Nordküste und das nahe karge bergige Hinterland Albaniens im Osten.

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Hier unternehmen wir eine unserer schönsten Dinghi-Ausfahrten auf der Suche nach der Meeresgöttin Calypso. Angeblich ist Othonoi eine ihrer Dependancen, auf der die Schöne Odysseus den Kopf verdreht und sieben Jahre an der Weiterfahrt gehindert hat. Aber – wieder typisch – Calypso ist nicht daheim. Der nach ihr benannte, nur von See aus zu erreichende Küstenabschnitt ist traumhaft, wild und schön und märchenhaft. Würde die  schöne Verführerin zwischen den Felsen am Strand wandeln wäre es auch unerträglich und zu viel des Guten.

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In der Tat, den Einstieg in unsere Griechenlandzeit kann man ohne Einschränkungen als sehr gelungen bezeichnen. In jeder Hinsicht. Selbst die kühlen Hausweine in den Tavernen sind wider Erwarten gut genießbar. Jaja, geliebte Vorurteile. Da geht ihr hin, werdet wieder mal (guten Gewissens!) über Bord geworfen.

Dann brechen wir endlich nach Korfu-City auf.

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Mit etwas Glück gelang es uns einen Liegeplatz im von Chris empfohlenen venezianischen Hafen unterhalb der Alten Festung zu buchen. Allein schon die Anfahrt ist beeindruckend. Ins Hafenbecken passen kaum mehr als 50 Boote. Die niedrige Außenmole wird oft überspült und bietet kaum Schutz, aber die örtliche Denkmalschutzbehörde bewahrt die historische Substanz. Schon die durch die zahllosen Fähren verursachten und sich an der Mole brechenden Wellen sorgen zumindest für geduschte Beine. Bei Nordwestwind über drei Beaufort empfiehlt es sich zum Landgang – selbst ins gegenüberliegende Hafenrestaurant – Handtuch und Wechselsachen im wasserdichten Beutel mitzuführen. Es ist schön, aber feucht. Aber für unerschrockene wasserrattige Zeitgenossen durchaus passend.

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Der einzige Zugang zur Marina führt durch das gesamte Festungsareal und letztlich durch einen kaum 2m-hohen Torbogen, der seinerzeit natürlich die einzige Öffnung zur Festungsinsel von See aus war. Verlässt man die Insel des Old Fortress ist man in drei Minuten in der Altstadt. Perfekt für uns. Für drei Tage rufen uns plötzlich die städtischen Verführungen. Wir freuen uns drauf.

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Galerie Insel Mathraki

Diapontische Inseln

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Galerie Othonoi

Diapontische Inseln

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Funde am Wegesrand

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