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Trapani und Westausflüge

Herrjeh! In was für ne blöde Sackgasse hat mich meine Faulheit manövriert. Wie soll ich denn nach 10 Monaten noch rekonstruieren, was wir Besonderes erlebt haben im sizilianischen Westen. Und das, was ich nicht erinnere, soll ich auch noch in einen lesbaren und halbwegs interessanten Text fassen. Mein Hirn weigert sich strikt. Zumal die Zwischenzeit aufregende Monate in Palermo (2. Winter!) sowie nunmehr zwei Monate auf griechischen Inseln gefüllt haben.

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Jedenfalls haben Starkwinde und Gewitter mehrfach unsere Ägadische Inselzeit unterbrochen und gezwungen in Trapani Schutz zu suchen. Wir verbrachten insgesamt fast zwei Wochen in diesem wirklich hübschen Städtchen, konnten so Zeit mit Amaia und Flavio verbringen und per Mietwagen Ausflüge in die Umgebung machen und ein paar touristische Höhepunkte von unserer Must-See-At-Sicily-Liste abhaken. Schließlich wollen wir auch sehen, was sich hinter den schönen Küstenlandschaften und abseits der ausgiebig erkundeten Inseln im „Mainland“ Sizilien an Sehens-und Erlebenswertem verbirgt. So gibt es natürlich hotspots, um die der Reisende nicht umhinkommt und sich überwindet seine wohl gewählten Ankerplätzchen in entspannten und meist türkisen Buchten zu verlassen. Mitunter müssen die Blicke auf herrliche Strände oder bizarre Felsküsten oder wildes Berghinterland eingetauscht werden gegen verschwitztes Touristengedränge, aufdringliche Souvenirverkäufer und überteuerte Preise, weil die Attraktionen in Stadt und Land des Sehens würdig und Besuchens wert sind.

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Als Erstes steht das geschichtsträchtige Städtchen Erice auf dem Plan. Eigentlich ist der schon von Trapani gut zu sehende Ort oben auf dem gleichnamigen Berg einfach zu erreichen: mit dem Stadtbus zur Gondelstation und 15 Minuten später sitzt man in 750 Metern Höhe auf der mittelalterlichen Piazza und gönnt sich eine Granita oder einen Cremino. Aber die Bergbahn war aus Gründen, die uns verschlossen blieben und zur Freude der Taxifahrer „non funzionato“. Da uns der aufgerufene Preis der Taxi-Mafiosi (30,- one way!, und damit das 10fache des Gondelpreises) zu unverschämt erschien, wollten wir schon still protestierend den Heimweg antreten, als ein runter gelumperter, ehemals schwarzer japanischer Kleinwagen neben uns hält und uns ein Schwarztaxi-Angebot unterbreitet, für 2/3 des offiziellen Tarifes. Nach längerem Zweifeln bezüglich der nötigen Platzverhältnisse für meine Beine und der Leistungsfähigkeit der Karre mit uns an Bord den steilen Weg zu bewältigen, entschließen wir uns für das Abenteuer. Heimlich und so schnell es eben geht falten wir uns in die verstaubte Kalesche und der „Skipper“ erklärt uns wortreich und keinerlei Rücksicht auf unsere mangelhaften Italienischkenntnisse nehmend, dass er sicherheitshalber eine gesperrte Nebenstraße nehmen muss, damit ihn bzw. uns die „Offiziellen“ nicht bemerken auf der im Normalfall gut einsehbaren Hauptstrecke. Wir nicken, halten uns fest und versuchen die kurvenreiche Fahrt auf der aus gutem Grund gesperrten und auch deutlich längeren Strecke, zu genießen. Wir haben es überlebt, ein Zettelchen mit des geschwätzigen Schwarz-Piloten Telefonnummer zwecks Abholung in der Hosentasche und stürzen uns ins Erice-Getümmel, um ein kleines Reiseerlebnis reicher. Aber das Abenteuer geht weiter. Wir versuchen die Rückfahrt legal zu gestalten. Das Mafia-Taxi bringt uns jedoch nur bis zur Bushaltestelle am Fuß der verwaisten Gondelstation. Der nächste Bus in die City geht in einer Stunde. Na, das klappt ja heute. Und Hokuspokus: eine Minute später hält unser Schwarzfahrer neben uns. Wir hätten ja gar nicht angerufen? Wie sind wir denn herunter gekommen ohne ihn? Wir stammeln etwas wie “ von Bekannten mitgenommen worden“. Wo wir nun eigentlich hin wollen, und ob wir denn etwa so lange auf den Bus warten wollen, und er fährt uns zur Hafen. Und clever, wie wir sind, sagen wir zu. Der Kollege kutscht uns mit dem Boliden ohne nennenswerte Knautschzone durch den Feierabendverkehr tatsächlich bis vors Marinator und wir bezahlen kühl lächelnd das 3fache vom Normaltaxitarif. Nachdem der Angstschweiß getrocknet ist, bleibt zumindest die Freude des Überlebthabens und eine kleine Geschichte, die wir nicht vergessen werden.

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Absolute Nummer 1 ist traditionell das Besuchen von Salinen. Anke liebt Salinen, und wenn denn eine in der Nähe ist, gibt es kein Entrinnen. Dementsprechend ist der Bootsausflug durch die Salinenlandschaft von Nubia obligatorisch und erlaubt eine kurze Besichtigung der privaten Laguneninsel Mothia der Familie Whitacker.

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Und wenn man schon unterwegs ist mit dem Mietwägelchen, bringt es uns nächsten Tags nach Segesta, wo wir die Ruinen eines – allerdings niemals geweihten und auch zu Veranstaltungszwecken dienenden – 2500 Jahre alten griechischen Tempels nebst Besiedelung, Amphitheater usw. besuchen. Die sehr weitläufige Anlage liegt in fantastische Landschaft, was sie m. E. so besonders macht.

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Und da Marsala ebenfalls dicht dabei ist, ausflügeln wir mit unseren Freunden Flavio und Amaia zu den alten Marsala-Weinkellereien. Hier begegnen wir wieder einer der Haupt-Spuren der Familie Florio, die den schweren, Portwein oder Sherry ähnlichen Likörwein weltweit berühmt gemacht hat. Im schicken Shop auf dem historischen Gelände kann man locker 1500 € für ein Fläschchen des klebrigen Edeltropfens hinblättern. Ach nee, entscheiden wir, lieber sponsoren wir die sizilianische Gastronomie. Zudem mögen wir es lieber trocken.

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In selbiger Konstellation suchen wir noch Alcamo und Castellammare heim. Beide Orte sind einen Tagesstopp mit Einkehr zum Lunch wert.

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Mittlerweile naht das Oktober-Monatsende. Allmählich sinkende Temperaturen und die dichter werdende Abfolge weniger schöner Tage, betont durch strammere Winde und ausdauernde Gewitter lassen uns an den endgültigen Aufbruch Richtung Palermo, unseren Winterhafen, denken.

Wir verlassen Trapani. Doch endlich noch einmal mit unserem Boot, zum Abschied nehmen von diesen entzückenden Inseln, die unterdessen zunehmend verlassen wirken und das Saisonende einläuten. Von Marettimo aus starten wir und der erste Ankerstopp auf unserem Heimweg ist in der Baja de Cofano, zu Füßen der beeindruckenden über 600 Meter hohen Erhebung des „Kofferberges“ (Monte Cofano).

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Ein sehr bedeutsames Ereignis darf nicht verschwiegen werden: wir angeln zum ersten Mal! Seit drei Jahren fahren wir das professionell erscheinende Equipment vollkommen nutzlos und aus Angeberei am Heckträger herum. Allen Fragen nach unseren Petrijünger-Erfolgen wichen wir aus oder erfanden fadenscheinige Ausreden. Woher der plötzliche Ehrgeiz rührte, die Angel auszuwerfen mit dem klaren Ziel, wenigstens einen Bonito an Bord zu ziehen, wissen wir nicht mehr. Aber genau so muss es sein: Nach einer knappen Stunde zischt die Sehne gut vernehmbar aus der Rolle …

Sicher ist für jeden Leser verständlich, dass dieser Fisch, dieser kleine Thunfisch mit dem hübschen Namen Bonito nur dafür ein sicherlich glückliches Leben geführt hat, uns greenhorns ein umwerfendes Ceviche sowie allerköstlichste Thunfischfilets auf den Cockpittisch zu zaubern. Bekanntermaßen sind hervorragende Zutaten nur die halbe Wahrheit. Die geschickten Hände in Madrugadas Kombüse – um genau zu sein: Ankes Hände – lieferten die perfekte Zubereitung. 

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Erfreulicherweise blieb das Wetter stabil und erlaubte uns einen längeren Ausflug auf die Nordseite der Halbinsel zur alten Tonnara del Cofano. Und wieder poppte in unseren Hinterköpfen auf: Islandqualität! Offenbar ist das immer noch unser Maßstab für überwältigende Landschaft.

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An einem windarmen, aber von Delfinbegleitung bestimmten 1. November tuckern wir dann um den Nordwestzipfel bei San Vito Lo Capo herum bis ins seichte Gewässer an der Isola delle Femmine. Übermorgen wird die Saison endgültig vorbei sein. Doch es keimt auch ein wenig Vorfreude auf Palermo …

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Trapani

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Erice

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Trapani Salinen in Nubia & Mozia

Saline di Trapani e Paceco Culcasi & Saline dello Stagnone

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Segesta

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