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Es bleibt Ionisch I

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Bisher tummelten wir uns ja nur um Korfu herum. Die Ionischen Inseln erstrecken sich jedoch über etwa 300 km. (Nimmt man es ganz genau gehört das weitere 300 km entfernte und bereits südlich des Peloponnes gelegene Kythira auch noch dazu.)

Wie jeder der uns kennt weiß, uns eingeschlossen, werden wir in dieser Saison nicht einmal Zakynthos erreichen. Aber wir müssen weder Strecke machen, noch haben wir den Anspruch möglichst viel abhaken zu können.

Als nächstes steht Lefkada auf dem Reiseplan. Brav reihen wir uns in die Schar der auf die Öffnung der alten Drehbrücke Wartenden ein, um auf die ruhige Ostseite, also zwischen Festland und Insel und zu den vielen gut geschützten Ankerplätzen zu gelangen. Erwartungsgemäß setzt sich der Yachti-Tross recht aufgeregt in Bewegung, stoppt urplötzlich, zwingt zu wilden Bremsmanövern und entlockt auch mir einige  – eigentlich für Autofahrer mit städtischer Prägung  –  gängige Bemerkungen bezüglich der den Stau verursachenden Knalltüte, ausgerechnet an der engsten Stelle des Kanals. Es stellt sich heraus, dass doch tatsächlich jemandem im Nadelöhr die Maschine abgestorben ist. Gewissermaßen in einer einspurigen Baustelle auf der A9. Die beiden Kollegen vor uns sehen noch zu, dass sie irgendwie vorbei- und davonkommen. Unser Seglerherz entscheidet sich nach kurzem Zögern für eine Art Vollbremsung im drängelnden Verkehr, um von der etwas hilflos dreinblickenden Gefährtin des armen französischen Skippers die flehentlich hingehaltene, sehr kurze und sehr dünne Leine zum Zwecke des Abschleppens zu übernehmen. Im umgekehrten Fall würden wir das doch auch erwarten. Um ihn an die Seite zu nehmen ist für unseren Geschmack zu viel los im Kanal, zumal die vielen Katamarane im Gegenverkehr nicht viel Luft zum Manövrieren erübrigen. Aber spannend ist es schon, denn um anzuhalten ohne drehenden Propeller kann der Havarist sich nur austrudeln lassen, hoffend dass ihn der Wind nicht zu stark vor sich hertreibt. Nach einer Meile können wir unseren Tender denn auch an der Außenmole der Marina Lefkada abstreifen, während wir im Strom der Boote weiter südwärts tuckern. Ein paar zufällig dort flanierende Segelelevinnen kommen nicht umhin die hektisch zugeworfenen Festmacher entgegenzunehmen und den Treidler abzubremsen. Unsere gute Tat honorieren wir selbst mit einer erfrischenden Weißweinschorle, ausnahmsweise während der Fahrt. Ein besonderer Manöverschluck eben.

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Nach weiteren zwei Stunden Motorfahrt haben wir den Flaschenhals bei Nydri erreicht, hinter dem sich die Riesen – Badewanne Vliho Bay mit Ankerplatz für hunderte Boote eröffnet. Die nahezu runde Lagune mit mehr als einem Kilometer Durchmesser ist durchgehend nur wenige Meter tief und derart gut geschützt, dass Leute hier ihre Boote für längere Zeit allein lassen. A hurricane hole. Aber naheliegenderweise ist das Wasser nicht übermäßig sauber, und wir werden nur zwei Tage bleiben. Neben einer hübschen Wanderung springt auch ein exzellentes Abendessen auf einem kleinen Restaurantsteg raus, an dem die Gäste ihre Gummiboote anbinden können.

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Auf dem Weg Richtung Meganisi und weiter nach Kalamos passieren wir Skorpios, die Privatinsel vom alten Onassis (hier hat er Jackie Kennedy geehelicht!!! Das muss man wissen! Ebenso, dass die Asche von Maria Callas hier ins Ionische Meer verstreut wurde.), die heute standesgemäß in russischer Oligarchenhand und ein Anlanden untersagt ist.

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Ich muss mich hüten, nicht mit endlosen Beschreibungen unseres Buchten-Hoppings zu langweilen. Aber erwähnen möchte ich unbedingt den in dieser Gegend verbreiteten Wahn, unter allen Umständen, ohne Not und egal wieviel Platz man zum frei Ankern hätte, egal wie aufwändig das Manöver ist, wie oft man es wiederholen muss oder wie lange es dauert, bis alles fest ist, und egal ob man dann den Wind genau von der Seite hat, weil man ja nicht mehr im Wind schwojen kann: man ankert weit vom Ufer und bringt zwei Landleinen aus. Besonders für die vielen Charterer scheint es einen besonderen Reiz zu haben. Vielleicht aber kann man hier nur ein Boot mieten, wenn man nach der Charterwoche wenigstens fünf erfolgreich absolvierte Landleinenmanöver nachweisen kann? Sonst wird nachgelöhnt.

Das Beste daran ist, dass es nie langweilig wird in den Buchten und einem jeden Abend unerschöpfliches Manöver-Kino geliefert wird. Frei Haus. Gratis. Grandios.

Mittlerweile kennen wir den Rhythmus der Charterer. Freitags spätestens am Mittag zischen alle ab in ihre Basen, Samstag ist Wechseltag. D.h. Übernahme und Bunkern nehmen mindestens den Samstag in Anspruch. Sonntagvormittag schwärmen alle wieder aus. Ergo, die kleinen und schönsten Plätze sind für zwei Tage pro Woche mehr oder weniger frei.

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Somit können wir nach einer Landleinenabenteuerbucht auf Kalamos im Nordosten von Kastos die Bucht aller Buchten, in der nur für ein Boot, nämlich unser Boot! Platz ist, am Freitagnachmittag besetzen. Hilfreich war dabei die Erfahrung, dass die Tiefenangaben in griechischen Seekarten zuweilen fehlerbehaftet sind und man dem eigenen Sonar vertrauend vortasten, wie weit man sich dem Ufer nähern kann. Nachdem wir eine kartierte Untiefe von einem halben Meter und laut Tiefenmesser noch mehr als fünf Metern Wasser unterm Kiel überwunden hatten, graben wir den Anker fest ein und genießen stolz die neidischen Blicke der Segelkollegen über diesen Premiumplatz mit angeschlossenem Privatstrand, den wir dann auch für fünf Tage nicht mehr hergeben. Davon abgesehen ist Kastos eine absolute Perle und landet ganz oben auf unserer Best of List. Aber wir finden noch einige ähnlich atemberaubend schöne Flecken an der Ostküste.

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