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Von Kalabrien nach Thyrrenien

Unser Rhythmus von 60 bis 70 Meilen hat sich für Tagesetappen bewährt. Sicherheitshalber haben wir einen Platz in San Giovanni im Nordosten der Straße von Messina, kurz vor dem Ausgang ins Thyrrhenische Meer gebucht. Wir hatten wiederum einen windarmen Tag erwartet. Doch nach etwa der Hälfte der Strecke, an der Stiefelspitze erwischten wir einen herrlichen BringunsnachNorden-Wind. Auch die Strömung hat gepasst (gute Planung), so dass wir uns den Hunderter (jawohl, richtig gelesen: 100,-€ dafür, dass ich mein selbst mitgebrachtes Hotel eine Nacht am Steg anbinden darf!), und nutzen die Gunst der noch frühen Stunde und rauschen durch, oben zur Stretto di Messina wieder raus und gehen wieder vor Scilla vor Anker.

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Nachdem auch diesmal die Nacht ein wenig unruhig ist, drücken am Morgen starke Fallböen aufs Wasser und verbünden sich mit den typischen beschleunigten Winden hinter Meerengen. Vorbei ist‘s mit Ausschlafen und Abwarten und Tee trinken. Beim Anker auf stehen uns bereits gute fünf Beaufort entgegen und um uns herum sieht es aus wie eine arg zerfahrene Huckelskipiste am Abend in den Dolomiten. Nur chaotischer. Der Windmesser fällt nicht mehr unter 30 Knoten, in Böen um die 40. Das hätte uns ja mal jemand sagen können, oder?Es ist laut und bockig. Wir knechten unser Schiff durch dieses Tohuwabohu, dass diese Bedingungen offensichtlich gelassen annimmt und mit knapp 10 Knoten über das thyrrhenische Gehuckel brettert. Abenteuerlich! Und beeindruckend! Doch nachdem wir den Mündungstrichter der Meerenge passiert haben, schaltet sich das Spektakel einfach ab. Der Segelwind ist aufgebraucht. Die zweite Hälfte der 40 Meilen bis nach Vulcano brummt wieder die Maschine. Und dann sind wir wieder da, auf der Stinkeinsel Vulcano, der südlichsten der Äonischen Inseln. Vulcano hat den großen Vorteil, dass sich auf beiden Inselseiten Buchten gegenüber liegen, die nur durch einen 400 Meter breiten Isthmus getrennt sind, wie ein Flaschenhals, der den kleinen Inselkopf Vulcanello mit der Rumpfinsel Volcano verbindet. Innerhalb von einer Stunde kann man jeweils auf die geschützte Seite wechseln. Hier haben wir im letzten Jahr schon viel Zeit verbracht, und es fühlt sich alles sehr vertraut an.

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Wieder einmal lockt uns der Hausberg Monte Aria, der derzeit ruhende Vulkan (letzter Ausbruch 1890) zu einem Aufstieg. Der Blick aus den 500 Metern Höhe ist einfach atemberaubend, zumal es glücklicherweise wolkenfrei und klar ist. Und touristenfrei ist es auch. Unglaublich.

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Für uns ist beste Reisezeit. In der folgenden Woche treiben wir uns noch herum auf diesen einzigartigen windigen Eilanden (diesmal nur Vulcano und Salina) die zum UNESCO-Weltnaturerbe gehören.

Doch bevor uns der vorherrschende Westwind hier festnagelt, nutzen wir ein ruhiges Wetterfenster zum Sprung nach Cefalu, um von dort den Endspurt nach Palermo anzugehen. Dafür müssen wir wider Erwarten doch einen Tag pausieren, denn Gewitter stellt sich ein und es bleibt fast einen ganzen Tag dunkelgrau, es schauert und herbstliche Ungemütlichkeit macht sich breit.

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Am 8. November spulen wir die letzten Meilen bis zu unserem geliebten und mittlerweile angestammten Liegeplatz in der SiTiMar-Marina Palermo ab. Der Tag hält noch mal alles bereit: Kein Wind, wenig Wind, Starkwind und umgekehrt. Mit bedrohlichem Himmel und tückischen Winden in der Bucht von Termini Imerese muss man immer rechnen und wir werden nicht enttäuscht. Segel hoch, Segel runter, Segel hoch, 1. Reff, 2. Reff, Segel einpacken als Palermo in Sicht ist. Die Kollegen der vertrauten Samstagsregatta stehen mit schlagenden Segeln vor der Hafeneinfahrt herum. Unsere lieben Freunde Flavio und Amaia, mit den wir wieder den Winter an unserem Steg verbringen werden, segeln uns mit ihrer Bolero entgegen. Christian, unser Bootsnachbar vom letzten Jahr steht neben Hafenmeister Aurelio um unsere Leinen entgegenzunehmen. Man fällt sich natürlich italienisch, wenn nicht gar sizilianisch um die Hälse und gibt Baci Baci. Zack, steht die Einladung zum Aperetivo auf Bolero. Welch ein Empfang. Es fühlt sich an, wie nach Hause zu kommen.

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Galerie Vulcano

Äolische Inseln – Entschuldigt bitte, ich weiß, das waren schon mal viele Fotos. Aber es ist einfach unglaublich.

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Galerie INSEL SALINA

Äolische Inseln

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