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Die Ägadischen Inseln

Aufgrund ihrer exponierten Lage ist es um diese, ganz im Westen Siziliens gelegene Inselgruppe, mit Favignana, Levanzo und Marettimo immer etwas windiger und unberechenbarer. Der Meeresgrund um die Inseln herum soll voller Wracks sein. Es weht fast immer sehr munter um die Inseln herum. Meist wechseln sich Scirocco und Mistral hier ab. Es ist tatsächlich ein großes Kap, das die Luftströme teilt und ablenkt. Die Winde sind dementsprechend unstet und schnell wechselnd und halten die Segler auf Trab.

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Flavio und Amaia hatte es eiliger und sind schon früher aufgebrochen und in Trapani in den Hafen gegangen. Schließlich brauchen sie ein ruhiges Plätzchen für das tägliche Homeoffice. Wir vertrauen der Windvorhersage auf eine flotte Brise, verlassen diesen großartigen, weithin türkis strahlenden Ankerplatz vor San Vito, setzen Segel und es geht ab in Rauschfahrt. Die Windgötter sind mit uns, goutieren ganz offensichtlich unsere Opferschlucke, und erst vor dem ersten Ankerplatz Cala Burrone im Süden Favignanas fallen die Segel. Schon der erste Eindruck bestätigt alle Versprechen von Schönheit und unglaublichen Wasserfarben. Darin stehen sie den Äolischen in nichts nach, nur das es hier deutlich leerer ist. Die Bar Calamoni Beach ist eine einzige Einladung.

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Den ganzen Tag könnten wir hier glucken, einen (oder zwei) Sprizz schlürfen und auf die Burrone Bucht glozzen. Aber wir sind ja nicht zum Spaß hier, reißen uns los und marschieren in den Hauptort an der Inselnordseite. Sofort fällt auf: Die ganze Insel ist durchlöchert wie ein Schweizer Käse. In jedem Garten links und rechts der die Insel überziehenden Straßen klaffen die eckigen Löcher von abgebautem Tuffstein. Vor 300 Jahren begann man mit dem Abbau des leicht zu bearbeitenden Materials für den Festungsbau, verschiffte aber auch fertig gesägte Quader bis Messina und zum Festland. Pragmatismus und Einfallsreichtum bestimmen heute die unterschiedlichsten Nutzungsmöglichkeiten der vielen kleinen, alten Brüche. Was will man auch anstellen mit den riesigen terrassierten Gruben hinterm Haus. Natürlich ist auch der Ort Favignana an der Inselnordseite ein touristischer hotspot, verständlicherweise. Für diese reizenden Ort werden wir doch etwas mehr Zeit brauchen als diese Schnupperstunde. Die Marina von Favignana scheint uns wenig verlockend, aber es gibt genügend Raum zum Ankern im Vorhafen, so man den Fähren genügend Platz in der „Wendeschleife“ lassen kann.

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Auf halbem Wege dorthin greifen wir uns eine Mooringboje (für 30 €/Nacht) in der traumhaften Cala Rossa. Der Weg führte entlang einer einmaligen und besonders beeindruckenden Kulisse der Überbleibsel der Brüche in den Küstenfelsen, unmittelbar am Wasser. Es wirkt wie ein riesiger abstrakter Skulpturengarten, dessen Faszination sich am stärksten von See aus erschließt. Man möchte überall stoppen und auf den Felsgebilden an der Küste über den hell türkis leuchtenden Wassern entlang klettern.

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Auf eine bereits in den 50ern begonnene Privatinitiative hin wurde ein weitläufiges Steinbruchareal zu einer Open Air Galerie ausgestaltet: „Il Giardino Impossibile“. Wunderbar, wie verwunschen, und unbedingt sehenswert. Wir sind sehr an den herrlichen Steinbruch bei Ciutadella auf Menorca erinnert, (den wir im blog-Beitrag vom Dezember 2020 ausführlich beschrieben und bebildert haben: https://sy-madrugada.de/2020/12/stein-gaerten/).

Einfach großartig, was man aus zahllosen großen Haufen Steinen so machen kann.

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Cala Rossa ist so ein Platz, den man nur schweren Herzens wieder aufgibt. Wir werden hier noch mehrfach übernachten, weil es so einzigartig ist. Wie um den Aufenthalt hier noch schöner zu machen, ankert neben uns die einzige Contest 85, mit also knapp 26 m Länge das größte Schwesterschiff, das in der feinen Werft in Medemblik am Ijsselmeer je vom Stapel gelaufen ist. Sehr beeindruckend. Allerdings langweilt sich die Profi-Crew offenbar, während sie auf den Eigner wartet und flimmert und poliert immer wieder die gleichen Teile.

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Insgesamt waren wir dreimal auf Favignana, zum einen, weil es so schön war, zum anderen hat immer ein Wetter bzw. Unwetter die Inselzeit unterbrochen und uns vorübergehend in den schützenden Hafen von Trapani getrieben. Jedenfalls erlaubte uns das Wetter auch mal 3 Tage im Vorhafen vor dem zauberhaften Städtchen Favignana zu ankern, direkt vor der alten Tonnara Florio, der riesigen Thunfischverarbeitungsfabrik, die den Ort geprägt und ihm zu einem gewissen Wohlstand verholfen hat.  Und ich mache es mir wieder mal leicht und kopiere einen übersetzten Text von „EgadiVacanze“ (https://www.egadivacanze.it/favignana/il-museo-ex-stabilimento-florio.html) ein, der die Tonnara m. E. recht passend beschreibt:

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Das Museum – Ehemalige Florio-Fabrik in Favignana

Ein Besuch der ehemaligen Florio-Fabrik ist ein Muss für alle, die eine Reise in die blühende Vergangenheit der Thunfischfangindustrie und deren Bedeutung für die Entwicklung der Insel Favignana unternehmen möchten. Die ehemalige Florio-Fabrik ist ein wahres Juwel der Industriearchäologie. Es war nicht nur der Ort, an dem die Ausrüstung, Anker und Boote der Mattanza (Thunfischfang) aufbewahrt wurden, die zu einer der blühendsten Industrien der Thunfischkonservenverarbeitung wurde, sondern es repräsentiert auch die Geschichte der Familie Florio und ihre Verflechtung mit dem Leben der Inselbewohner, die hier soziale Befreiung von der Armut und eine Quelle des wirtschaftlichen Lebensunterhalts fanden

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Die letzten Tage der Tätigkeit

… Leider stellte die Fabrik in den 70er Jahren ihren Betrieb ein, da sie auf dem Markt, dessen Dynamik sich im Laufe der Jahrzehnte verändert hatte, nicht mehr wettbewerbsfähig war. Die ehemalige Florio-Fabrik, die in den 90er Jahren in den Besitz der Region Sizilien überging, war seit langem geschlossen und verfiel.

Die Restaurierung begann Ende 2003 und die Einweihung fand 2009 statt.

Der Fabrik gegenüber präsentiert sich äußerst beeindruckend die Parade der historischen Anker, die bis 2005 für die sog. Mattanza, die klassische Jagd auf die Thunfische, benötigt wurden.

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Am Rande sei erwähnt, dass die Familie Florio wohl der bekannteste Name auf Sizilien (abgesehen von Lampedusas „Der Leopard“) ist. Ausgeprägter Geschäftssinn hat ihr im 19. Jahrhundert zu unfassbarem Reichtum und entsprechendem Einfluss in ganz Italien verholfen. Beides hat die dritte Generation 100 Jahre später erfolgreich vernichtet. Diese hochinteressante Familiengeschichte ist von Stefania Auci in „Die Löwen von Sizilien“ sehr lesenswert in Romanform gebracht worden.

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Aber zu der Ägadischen Inselgruppe gehören noch die kleinen verschlafenen Schwestern Levanzo und Marettimo, die jedoch etwas schwieriger zu „befahren bzw. zu beankern“ sind.  Aber unsere Geduld und natürlich geeignete Windverhältnisse ermöglichten es, auch dort ein paar Tage in kleinen geschützten Buchten einen Ankerplatz zu finden und ein paar Schritte ins Inselinnere zu wagen sowie sich in der netten Hafenbar für die Mühen zu belohnen. Auch wenn es ein wenig peinlich ist: Unsere „wild entschlossene Wanderung“ zu prähistorischen Wandmalereien und Felsritzereien haben wir nach etwa zehn Kilometern durch unwegsames Gelände voller dorniger Macchia und durch sumpfig matschigen Grund abgebrochen und sind sicherheitshalber auf selbem Weg zurück, in die kleine Hafenbar, auf sicheres Terrain sozusagen.

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Und wie schon erwähnt: Wenn es irgend möglich war, haben wir immer wieder unsere Lieblingsbucht Cala Rossa auf Favignana aufgesucht. Die Fotos können leider nur versuchen, diesen Wunsch nachvollziehbar zu machen. Den Tagen in Trapani, dem größten Ort an der Westküste, widmen wir den nächsten Beitrag. Denn immer wieder kommt es typisch ägadisch: ungemütlicher Wind und Gewitter sind im Anmarsch und vertreiben uns in den sicheren Hafen. Außerdem wollen wir unsere Freunde von den Computern weglocken und mit ihnen die Stadt, die Umgebung und die lokale Gastronomie erkunden.

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Cala Rossa

Favignana – Ägadische Inseln

Favignana

Stadt Favignana – Ägadische Inseln

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Il Giardino Impossibilie

Favignana – Ägadische Inseln

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Tonnara Favignana

Ägadische Inseln

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Levanzo

Ägadische Inseln

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Marettimo

Ägadische Insen

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