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Der oder die Pellopponness I.

(Jaja, wir bleiben monatelang im Rückstand mit den Berichten, hauen es jetzt aber trotzdem raus:)

Bevor Beschwerden eingehen: es ist mir bekannt, dass Zakynthos eine der Ionischen Inseln ist. Und zwar eine der beiden, die wir im letzten Jahr stressbedingt auslassen mussten. Sie lockt vor allem mit türkisem Wasser und feinsten Sandstränden, vergleichsweise wenig Touristen und vielen Unechten Karettschildkröten, „Caretta Caretta“. (Wogegen die echte Karettschildkröte auf den lateinischen Namen „Eretmochelys imbricata“ hört. Ist doch logisch. Die meereszoologisch Interessierten wissen, dass sie alles Wissenswerte im www finden.)

Jedenfalls streifen wir unseren Rattenschock ab und es ergibt sich, dass wir in kleiner Regatta mit zwei Kollegen in die große Südbucht Lagana segeln. Es ist so schön wie angepriesen und erhofft. Inmitten der weiten Bucht liegt die Naturschutzschildkrötenbrutbucht der Caretta Caretta. Naiverweise gingen wir davon aus, dass man das sandige Eiland nicht, oder zumindest nicht ohne Ranger betreten darf. Weit gefehlt. Nachdem wir regen Bootverkehr zur Insel beobachten, machen auch wir das Dinghi klar für Bucht- und Grottenbesichtigungen und womöglich Schildkröteninselbesuch. Und es ist alles schön. Aber dann. Ha. Wir ziehen das Beiboot auf den Strand und erleiden den Naturtouristenschock. Da liegen vier! Bar-Boote an den Ufern und liefern sich einen Wettstreit in Sachen wer kann am lautesten und wer hat die grottigste Mucke am Start. In diesem kakofonischen Gemenge wanken und schwanken hunderte rosahäutige, sich ununterbrochen zuprostende, „Gäste“ in knapper oder schlecht sitzender Badegarderobe umher und zerlatschen die Gelegenester, die mal mit kleinen Holzgestellen markiert waren. Es ist Haupt-Nistzeit! Unser Entsetzen paart sich mit Verständnis- und Sprachlosigkeit. Das hält doch keiner aus. Als Caretta Caretta würde ich in Fortpflanzungsstreik treten, zumindest Eierlegestreik! Womöglich ist es längst geschehen. Selbst im Wasser sind überraschend wenige zu sehen.

.Bevor wir nach Kyparissia, also endlich zur großen Peloponnes-Halbinsel übersetzen, verführt uns das ruhige Wetter zu einem Abstecher an die südliche Westküste Zakynthos`. Wir sind ausnahmsweise früh dran und finden einen von drei, vier möglichen Ankerplätzchen vor den als must see gepriesenen Keri Caves. Und ja, es ist noch schöner als in allen Beschreibungen geschildert. In der Tat ist es verflixt: die Westküsten der ionischen Inseln sind einzigartig, sind von rauer Schönheit, zum großen Teil schroff und unzugänglich, oft nur von See aus erreichbar, und man braucht aufgrund der vorherrschenden Winde für ihre Besichtigung immer das nötige Wetterglück, das wir diesmal wieder hatten.

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Aber das wars für uns hier, wir verlassen die Insel und den Trubel Richtung Peloppones. Nach 50 Meilen schippern wir in das überraschend weitläufige Hafenbecken von Kyparissia. Was war denn hier mal geplant? Oder ist die Anlage ein Relikt aus Zeiten, als es im Mittelmeer noch Fische und Fischer gab?

Wir wollen unseren Augen nicht recht trauen, denn ständig tauchen beeindruckend große Schildkrötenköpfe überall im Becken auf. Hier tummeln sich hunderte (unechte) Karettschildkröten. Stattliche Exemplare, ich schätze die meisten so um 80 cm Länge. Müssen wir befürchten die träge dahinschwimmenden Panzertiere mit dem Propeller zu verletzen?

In der letzten Ecke des Beckens beziehen wir den letzten freien Platz. Es ist Ende Mai und offensichtlich kann man noch großzügig mit den Liegeplätzen sein. Alle liegen „englisch“, also Längsseits an der Pier. Der Platz wird bald zum „deutschen Eck“. Der nette Anlegehelfer von der hübschen alten Moody vor uns spricht Heimat-Idiom, fährt die grün-weiße Landesflagge unter der Backbord-Saling, reist allein mit Hund Lilly, und entpuppt sich rasch als sehr angenehmer und witziger Zeitgenosse. Den aus der erfreulichen Begegnung entstandenen Austausch nehmen wir sehr gern mit uns mit.

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Im allabendlich einsetzenden flotten Nordwestwind gesellt sich noch ein „Machteburjer“ mit Frau und Kind (mit abenteuerlichem Manöver) an unsere Seite. Der unweigerliche Klönschnack fördert so manche spirituöse Kostbarkeit zu Tage (oder besser zu Nachte) und erst gegen vier Uhr früh beenden wir nur widerwillig und aus reiner Vernunft die Sitzung. Schließlich wollen wir am Morgen ein Auto mieten und das legendäre Olympia bzw. dessen Ruinen besuchen.

Jetzt wird’s endlich „Altgriechisch“!

Aber zuvor musste ich meinen Schutzengel mal wieder bemühen. Uwe-guck-in-die-Luft sieht nicht, dass die Gitterabdeckung der Parkplatzentwässerung auf anderthalb Metern fehlt, latscht ungebremst in den 30 cm tiefen Schacht, stürzt nach vorn und rollt sich geschmeidig ab wie ein Ringer. Nach einer halben Minute ist der Schock so weit überwunden, dass ich aufstehen kann (ehrlicherweise wurde ich von helfender Hand und Anke aufgestanden). Checken, was alles kaputt ist. Aber nix! Nicht mal Hemd und Hose haben einen Löchlein, nur das rechte Knie einen kleinen Kratzer. (Ich bin stolz auf mich!)

Wie gesagt jetzt wird’s endlich historisch, und ich gebe es gern zu: vor 2500 Jahren Geschichte, die ja auch eine europäische und damit auch Teil unserer Geschichte ist, verharre ich in Ehrfurcht. Meine Güte. Welch gigantisches Gelände. Die Dimensionen der Bauwerke sind unvorstellbar, aber ebenso beeindruckend ist der nachvollziehbare  ästhetische Anspruch der Altvorderen.

Und es ist immer wieder höchst interessant und ein Vergnügen sich mit diesen Geschichten auseinanderzusetzen.

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Nach so vielen Haufen von Steinen und Leuten auf einem Haufen zieht es uns wieder in eine einsame Bucht. Und wir haben wieder ein Riesenglück. Die einzigartige, jedoch nach nur Nordwesten offene „Ochsenbauchbucht“ Voidokilia (Platz für max. zwei Boote) ist leer und der heimtückische Nordwest so moderat, dass wir hier zwei Nächte in aller Ruhe liegen können. Danke! Welch ein wundervoller Platz:

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Eine kraxelige, zehentrennerungeeignete Wanderung führt uns zu den Resten der alten Festung (Old Navarino). Unterhalb der Burg passiert man Nestors Höhle. Deckenhöhe beachtliche 20 Meter. Angeblich hat Nestor hier seine Rinderherde untergebracht. Das müssen Kletterkühe gewesen sein. Und oben? Jeder Tropfen Schweiß war den Aufstieg wert und wird mit einem kühlen Bier aus dem Thermostäschchen belohnt. Einfach unbeschreibliche Ausblicke in alle Richtungen.

Der wie angekündigt einsetzende Westwind vertreibt uns aus der Paradiesbucht und wir verdrücken uns nach Pylos in den Hafen, mit dem Plan, wiederum ein Auto zu mieten und Nestors Palast zu besichtigen und zum Ausgleich eine Wasserfallschlucht zu bewandern.

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Ich möchte erwähnen, dass Anke für unsere Landausflüge immer möglichst kleine und vor allem möglichst serpentinige Straßen aussucht, weil mir die Kurvenhatz immer wieder großes Vergnügen bereitet. Das bergige Griechenland hält diesbezüglich überall Fahrspaß bereit. Manchmal stehen (für uns) kryptische Hinweisschilder an den Einmündungen zu diesen „kleinen Straßen“, oft sind wir ganz allein unterwegs und manchmal sind sie schon auffällig zugewachsen, sind Teile wegen Erdrutschen oder Steinschlägen notdürftig markiert oder gar abgesperrt, und nicht immer gelingt uns eine erfolgreiche Durchfahrt. Aber unsere Trefferquote ist nicht schlecht und unterm Strich sind diese „Abwege“ immer wert befahren zu werden. So geht es nicht auf kürzestem Weg zu den Resten von Nestors Palast, jedoch auf dem schwungvollsten.

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.Jetzt wird es noch älter. Erst das Bewusstmachen, dass diese Anlage vor etwa 3400 Jahren errichtet wurde, vertreibt unsere anfängliche Enttäuschung ob der doch recht überschaubaren Reste des Palastes. Die komplette Ausgrabungsstätte ist durch eine beeindruckende Überdachung geschützt und recht anschaulich und nachvollziehbar aufbereitet. (Sehr bedauerlich, dass die Lehre schöner Architektur sich seitdem überwiegend verloren hat. Naja, ist ja auch wirklich sehr viel Zeit vergangen …)

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Galerie: Ausflug in die Schlucht

Polylimnio Wasserfälle

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Galerie Pylos

Bucht Navarino

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Ankes Florale Galerie

für alle, die bis hier her gekommen sind 🤭

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