Korfu Stadt wirkt sehr beansprucht. Täglich schütten Kreuzfahrtschiffe tausende von Touristen in das 40.000-Einwohner-Städtchen aus, das ohnehin nicht unter Besuchermangel leidet. Dementsprechend überfüllt sind die Gassen, die Gastronomen in den Tavernen sind schmallippig und kurz angebunden, und die Preisgestaltung treibt uns zuweilen Schweiß auf die Stirn, der auch an Obstständen und Lebensmittelgeschäften nicht trocknet. Die Sehenswürdigkeiten sind es wert besucht bzw. gesehen zu werden, was allerdings nach zwei Tagen bewältigt ist. Unsere Marina Mandraki am Fuße des Old Fortress bietet einen vortrefflichen, sehr authentischen Rückzugsort, zumal die Versorgung im Marina – Restaurant hält, was Chris uns auf Insel Mathraki versprochen hat.
.







.
In der riesigen Ankerbucht südlich des Festung finden wir auch die bereits erwähnten polnischen Segelkollegen mit dem selbstgegossenen 40-t-Ferrozementboot wieder. Der Wiedersehensfreude werden ein paar Aperol-Sprizz und kühle Frischgezapfte gewidmet, und endlich finden die abenteuerlichen Geschichten über den 12-jährigen Bootsbau im heimischen, 500 Kilometer von der Küste entfernten Gemüsegarten, ihre Fortsetzung. Jedenfalls sind Carolina und Martin mit ihrem 15-jährigen Sohn seit 2 Jahren mit diesem „Monster“ unterwegs, das aufgrund Gewichts und Untertakelung extrem schwerfällig manövrierbar und langsam unterwegs ist. Aber bei allen Berichten leuchten ihre Augen und der Stolz über das gemeinsam Vollbrachte ist unüberhörbar. Das Bootsbau-Projekt ist vollendet worden, und ihre Arche schwimmt nun im schönen Mittelmeer und offensichtlich hat es ihrer Beziehung auch nicht geschadet. Im Gegenteil. Normalerweise hört man vom Scheitern. Entweder des Vorhabens oder der Ehe. So aber ist es wunderbar und berührend, den beiden zuzuhören und zu sehen, wie glücklich und zufrieden sie über das Erreichte und ihr derzeitiges Leben sind. Wer hat schon London auf eigenem Kiel erreicht? Und für den Filius: Boat schooling at it`s best! Da spielt es überhaupt keine Rolle, dass der Eisbrecher meist nur mit 2 bis 3 Knoten unterwegs ist.
Glücklicherweise werden wir uns in den kommenden Monaten unsere Kurse noch öfter kreuzen.
.


.
Bei uns setzt nach drei Tagen Korfu City der Fluchtimpuls ein und wir verziehen uns an der korfiotischen Ostküste südwärts in die Lefkimmi-Bucht und atmen durch. Das Wetter ist nach wie vor prächtig, die Wassertemperatur nimmt stetig zu, und wir genießen den ruhigen, einsamen Ankerplatz, der uns nach den letzten drei Tagen plötzlich fast zu entspannt erscheint. Um nicht aus dem Training zu kommen stürzen wir uns also für die nächsten Tage wieder ins touristische Getümmel: Lakka! Idyllisches Hafenörtchen im Norden von Paxos, tatsächlich traumhaft gelegen an einer großen, nahezu runden, gut geschützten Bucht mit blendend türkisfarbenem Wasser. Selbstredend verlockt so viel maritime Schönheit alle Spassboot-Seefahrer wenigstens für eine Nacht hier den Anker einzugraben. Hafenkino ist angesagt, sehr unterhaltsam, Eintritt frei. Gegen Abend wird das Fassungsvermögen der Bucht überschritten und nach einsetzenden Abendflaute, wenn die Boote in Abhängigkeit der unterschiedlichen Konstruktionen sehr unterschiedlich schwojen, hört man immer mal Bootsrümpfe karambolieren, mit anschließenden Wortwechseln, die man leider nicht immer versteht.
.













.
Nach drei Tagen ergeht es uns wie in Korfu-City: wir müssen dringend weg. Zuviel ist Zuviel. Für die Fahrt nach Mongonisi im Inselsüden wählen wir den Umweg über die Westseite von Paxos, was sich unbedingt lohnt. Die Küste erhebt sich überwiegend steil über Wasser, das zwischen cyan, türkis und petrol changiert und ist gezeichnet von beeindruckenden Verwerfungen und wilden geologischen Strukturen. Sehr rau, weitestgehend unerschlossen, traumhaft schön. Für einen Stopp braucht allerdings man sehr ruhige Bedingungen. Deswegen sind wir früh dran und es gelingt uns vor dem großen Andrang der Touristendampfer und „Wadenbeißerboote“ (kleine Leihboote mit 40-PS-Außenbordern und meist ahnungs- und rücksichtslosen Kapitänen, die ihren Kumpels oder Geliebten imponieren wollen) vor der Blauen Grotte, dem hot spot dieser Inselseite, den Anker in 15 Meter Tiefe auf einer Felsplatte abzulegen. Wir hoffen, wenigstens eine halbe Stunde so liegen zu können. Trotzdem bleibe ich sicherheitshalber an Bord, derweil Anke mit dem SUP und der Kamera im Anschlag in die Höhlenlandschaft paddelt. Must see eben.
.














.
Anschließend runden wir die Südspitze und ankern in der fjordartigen, etwas steinigen Mongonisi-Bucht, wo wir erstmalig mehrere Versuche brauchen den Anker einzubringen. Aber auch hier wird es verrückt. Unmittelbar neben uns ankert eine (bitte keine falschen chauvinistischen Schlussfolgerungen ziehen) ausschließlich weiblich besetzte 17 Meter- Charteryacht und wirft bei 8 m Wassertiefe sage und schreibe 80! m Kette raus. Da die Stelle, an der wir liegen nur etwa 100 Meter eng ist haben wir uns mit 25 m begnügt. Unserer Auffassung kann dieses Missverhältnis an Kettenlängen nicht gut gehen und eine halbstündige Diskussion mit der ignoranten Skipperin führt zu nix. Uns bleibt nur Fender auf der betreffenden Seite rauszuhängen oder umzulegen. Da uns jedoch unterdessen ein dickeres Fell gewachsen ist bemühen wir unseren Fatalismus, vertrauen der Fenderparade und harren der Dinge, die da kommen. Tja, was soll man sagen? Ich hätte `ne schwere Wette verloren. Nach windstiller Nacht sind wir morgens in nahezu gleicher Position zueinander aufgewacht, und aller Ärger war umsonst. Was wäre die Segelei ohne Glück.
.



.
Wer Paxos sagt muss auch Antipaxos sagen. Also auf zur kleinen Schwester, die mit Buchten mit ebenso unfassbaren Wasserfarben aufwartet. Selbstredend ist es hier ebenso belebt wie beliebt. Die Touristendampfer werfen im Stundenrhythmus hunderte Leute ins Wasser. Jede Schaluppe versucht mit anderer unerträglicher Musik den Nachbarn zu übertönen. Allein die Gewissheit, dass die Karawane bald weiterzieht, lässt uns aushalten und spätestens ab vier Uhr haben wir und zwei weitere Hartgesottene dann das paradiesische Plätzchen für uns.
.


.
Zu allem Überfluss thront über der Bucht ein Restaurant, das sehr zu Recht den Namen Bella Vista trägt. Die Schöne Aussicht erreicht man vom Strand aus über eine windschief ausgewaschene Variante einer Treppe, von deren mehr als 100 Stufen keine zwei die gleiche Höhe oder Trittfläche haben. Oben angekommen wird man jedoch belohnt, zum einen mit einem spektakulären Blick über die Bucht und auf das griechische Festland und des Weiteren mit einem vorzüglichen Essen. Auch hier: Must see and do!
.






.
Zum Schutze der Badenden sind die Buchten sehr großzügig mit Bojenketten abgesperrt, weshalb man recht ungeschützt weit im Offenen zu liegen kommt. Während uns in der ersten Nacht das Ankerglück hold ist, rächt sich die exponierte Lage in der zweiten mit zunehmend unerträglichem Geschaukel. Wieder mal hält sich Gevatter Wind nicht an die Prognosen der Wetterfrösche und verpasst uns sehr munter von Osten eine volle Breitseite. An Schlaf nicht zu denken. Madrugada wirft sich – parallel zu den anlaufenden Wellen liegend – ungestüm von einer Seite auf die andere. Selbst unsere mehr als 20 Tonnen träge Masse verhindern nicht, dass Anke, die sich nach draußen an die frische Luft ins Cockpit verholt hatte, speiübel wird. Am Anker! Bevor es zum Äußersten kommt, lichten wir in der Dämmerung den Anker und suchen das Weite.
.













.
Bei 5 bft stampfen wir drei Stunden lang gegen eine unfreundliche Welle rüber auf die Festlandseite in die schöne Bucht vor dem Städtchen Parga. Doch wir haben beide keine Lust auf einen belebten Ort, gehen wieder Anker auf und finden fünf Meilen weiter südlich eine geräumige, ruhige Naturbucht, deren smaragdgrünes Wasser wir mit nur drei weiteren Kollegen teilen müssen. Offenbar tummeln sich die Charterer bevorzugt auf den viel beworbenen Inseln, sodass sich die Fraktion der ruhesuchenden Seefahrer in den Festlandsbuchten einfindet. Diese sind, ebenso wie die Küstenabschnitte, nicht minder schön. Das wird spätestens hier und noch mehr in der benachbarten 2-Rock-Bay klar. Für uns eine typische Verweilbucht. Schwimmen, paddeln, chillen, … Und das Sahnehäubchen schwebt über der Bucht im Schatten der Pinien: eine Bar! Ein Kiosk mit bezahlbaren Getränken. Wir verbringen Stunden mit Stieren und Starren unter dem bastberockten zerzausten Sonnenschutz, lassen uns von lauen Lüftchen anwehen und genießen Bier und Radler aus Dose und Plastikbecher. Obendrein läuft in angenehmer Lautstärke Musik von einer endlosen playlist, die man kaum besser hätte zusammenstellen können.
Nicht zu toppen!
(Spoiler: offerierte Burger und Hotdog unbedingt verkneifen. So viel Hunger kann man gar nicht haben …)
.
























.
Galerie Korfu Stadt























Leave A Comment