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Mit Kefalonia steht wieder eine der großen ionischen Inseln auf dem Programm. Im Fischerdorf Effimia werden wir unsere römischen Freunde Sandra und Luca, die Griechenlandfans und -kenner sind und derzeit zum Zwecke der Erholung hier weilen, treffen. Natürlich segeln wir auch eine Runde. Vormittags gibt es keinen Wind. Man rückt mit Motorfahrt aus. Pünktlich zur Mittagszeit setzt Starkwind ein in dem schmalen Seestück zwischen Kefalonia und Ithaka, das wie eine lange Düse wirkt. Als knipst Aiolos jeden Tag für acht Stunden die große Nordwest-Windmaschine an. In kürzester Zeit stehen 5 – 6 Beaufort auf dem Windmesser. Die kurzen steilen Wellen sind nicht besonders hoch, bringen aber die Wasseroberfläche zum schäumen und erzeugen ein gewisses Unwohlsein. Erst zur Dämmerung beruhigt sich alles wieder. So wird jeder Ausflug zu einer kleinen Herausforderung.
Auch die nachmittäglichen Hafenmanöver bei Eintreffen der Charterflottillen, wenn der Wind rechtwinklig zur Anlegepier durch das Hafenbecken bläst, muss man erlebt haben. Buganker neben Buganker und Heckleinen neben Heckleinen, wie in Griechenland oft anzutreffen. Ohne das energische und lautstarke Dirigat des legendären Hafenmeisters Makis von der Pierkante aus wären Ankerkettensalat sowie verbogene Relingstützen unvermeidlich. Das muss man einfach erlebt haben. Hafenkapitän Makis organisiert dann auch kurzerhand einen Tankwagen, der uns am nächsten Vormittag 10 Liter Benzin (für fünf wäre er nicht gekommen) für den Außenborder ans Boot liefert. Für solchen Service kann man ruhig mal eine Stunde Verspätung ertragen, zumal die Plauderei mit Makis die Wartezeit rasch angenehm verkürzt.
Und auch hier findet sich natürlich eine herrliche Taverne. Ob Lammkeule oder Gamberi Rossi, alles ist frisch und vorzüglich, wie wir mehrfach in Erfahrung bringen können.
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In gut einer Woche müssen wir in Preveza sein. Der Weg nach Norden führt uns als erstes nach Atokos, ein von Menschen unbewohntes privates Inselchen nordöstlich von Ithaka. Wenn wir es schon auslassen der Heimatinsel des Odysseus die Ehre zu erweisen und keinen Fuß auf Ithaka setzen, so wollen wir unbedingt in der „Schweinebucht“ einen Stopp auf dem Weg zur Lieblingsinsel Kastos einlegen. (Was nicht unbedingt adäquat ist.) Dazu braucht man doppeltes Glück: sehr ruhiges Wetter und – aus genannten Gründen – an einem Freitag oder Samstag unternommen werden. Glückes Geschick: beides passt und wir finden ein passables Plätzchen für unseren Anker und genügend Gelegenheit mit den vorlauten Schwarzkitteln zu kuscheln. Allerdings sind wir uns nicht ganz sicher, ob wir unser Bade- und SUP-Equipment wieder unversehrt in Sicherheit bringen werden. Außerdem ist die Idee unser altes Brot an die Rotte zu verfüttern eine saublöde. Die Biester riechen den Braten (also das Brot) natürlich schon von Weitem und stürzen quiekend auf meine Liebste zu. Erschrocken schreiend und flüchtend bleibt Anke nichts anders übrig, als sich auf einen Schlag aller Naschereien in hohem Bogen zu entledigen. Die wilden Schweine sind es zufrieden. Nix Streichelzoo.
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Nachdem wir noch weitere fünf Tage in verschiedenen Buchten von Kastos dem verdammt guten Leben frönen, soll Vasiliki, die große Bucht im Süden von Lefkada eine unserer letzten Stationen sein.
Am frühen Nachmittag ist noch alles überraschend ruhig und ich kann mir ein paar Lästereien nicht verkneifen: von wegen Surferparadies; was wollen die denn alle hier? Aber dann geht es los, mit Attacke. Wind in Spitzen über 40 Knoten. Die Trichterform der Bucht und die hohen und steilen Bergrücken im Nordwesten beschleunigen den Wind, lassen ihn ungebremst aufs Wasser stürzen und sorgen für abenteuerliche thermische Erscheinungen. Oh ja. Also doch Surferparadies. Für uns war das Verrückteste die aberwitzige Temperatur des Windes. Es war kochend heiß. Man konnte die Gegenstände, die dem gigantischen Heißluftgebläse ausgesetzt waren nicht mehr anfassen. Bis Mitternacht hielt sich dieser Spuk. Bis dahin sank der Strich am Thermometer nicht unter 42 Grad. Bis Mitternacht, also im Schatten! So etwas hatten wir noch nie erlebt, im Nachhinein aber erfahren, das dieses Windphänomen auf den Namen Eric hört, hier zu Hause ist und die vielen Surfer anlockt.
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Am nächsten Morgen ist es ruhig. Für die nächsten zwei Tage ist Entspannung versprochen, was uns dazu verführt den Vorhersagen auf schwache Westwinde zu vertrauen: Wir biegen also nach rechts ab. Die Westküste von Lefkada gilt als besonders schön und beeindruckend, mit spektakulärer Steilküste über ebenso spektakulärer türkiser Wasserfarbe. Der Haken ist, es gibt kaum Möglichkeiten sich in Sicherheit zu bringen, sollten die Windgötter es sich anders überlegen. Deshalb ist auf der Westseite Lefkadas kaum Verkehr.
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Aber offenbar war der eine oder andere Opferschluck für Rasmus und Kollegen nicht vergebens investiert. Nach einem großartigen Tag und einem Bilderbuchsonnenuntergang gab es on top noch eine wunderbare, ruhige, unvergessliche Nacht. Insofern findet der erste Teil der Griechenland- Sommersaison einen würdigen und krönenden Abschluss. Entgegen unserer Gewohnheit legen wir noch mehrfach – einfach so, weil es so schön ist – Badestopps ein, bevor wir im Norden von Lefkada unser Kielwasser kreuzen und in die Lagune von Preveza einlaufen, wo wir die letzte Nacht am Anker verbringen.
Morgen wird das Schiffchen sein angestammtes Element verlassen und aufgebockt in der Landmarina Aktio Marina auf uns warten, bis wir es nach vierwöchigem D-Aufenthalt erlösen und wieder – mit frischem Unterwasseranstrich (Inschallah) – zurück ins ionische Wasser setzen. Der Flughafen ist nur knapp drei Kilometer entfernt und wäre ohne größeres Gepäck gut zu Fuß zu erreichen. So aber sind wir für die 5-minütige Taxifahrt ganz fix 25 Euro los.
Die beiden Monate nach der Rückkehr, also Griechenland Teil III, werden sich eher um Korfu herum abspielen, da wir Besucher haben werden, die auf die Anbindung an den Airport von Korfu angewiesen sind. Aber erstmal steht Family time in old Germany an.
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Ionien von oben








Sehr schön!!
IMG2960 – was ist das für ein Boot?
Ich frage für einen Freund….
Liebe Grüße und einen wunderbaren 1. Advent in Palermo.
Atze