Des Windgottes Versteck
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Falls hier doch noch jemand nachschaut:
Wir leben noch, uns geht es gut. Und nun versuchen wir, den Faden wieder aufzunehmen und fortzuspinnen. Nachfolgende Berichte liegen seit einem knappen Jahr im geduldigen Speicher des Rechners. Sei`s drum:
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.Mit steigenden Temperaturen zu Land und auch im Wasser zieht zunehmen Unruhe in unsere zu Landbeinen verkümmerten Seebeine. Es wird also wieder Zeit die Leinen loszuwerfen. Das Wetter der ersten Maitage bremst unseren Tatendrang nochmal kurz aus. Dann geht’s los, mit der festen Gewissheit, in einem halben Jahr wieder hier zu sein. Nun werden wir ausgiebig die sagenumwobenen Äolischen – in Deutschland besser bekannt als Liparische – Inseln, die wir im vergangenen November wegen schlechten Wetters links liegen lassen mussten, ein- und umkreisen, erklettern und befahren und mit Sicherheit bewundern.
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Ich mache es mir mal wieder leicht und zitiere im Folgenden aus einem sehr zutreffenden Text von Thomas Zwicker: Unterwegs in Italien. Die Äolischen Inseln, der recht genau auch unsere Eindrücke wiedergibt, und besser erzählen könnte ich es auch nicht. Ich kürze den Text großzügig ein, um niemanden zu langweilen, so dass hier nur einige der sieben bewohnten Inseln Erwähnung finden.
Interessierte können den gesamten Artikel hier finden: https://www.holidaycheck.de/urlaub/italien/inspiration/liparische-inseln
„Vor der Nordküste Siziliensschufen die Götter kleine Inselwelten vulkanischen Ursprungs, wie man sie sich bizarrer nicht vorstellen kann. … „Unter Donnergetöse tauchten die Eilande in grauer Vorzeit aus dem Tyrrhenischen Meer auf. Ihr berühmtester Bewohner und Namensgeber, so die Sage, war einst der Windgott Äolus. Von ihm erhielt der erste Inseltourist, Odysseus, als Geschenk einen Schlauch voller Wind, zu jener Zeit also so etwas wie heute ein Tank mit Sprit für die Weiterfahrt. Die milde Gabe nutzte dem Helden nur wenig, denn „wir sanken durch eigene Torheit in Unglück“ (Odyssee, Zehnter Gesang). Äolus führt noch immer ein stürmisches Regiment über die kleinen Vulkan-Schönheiten, hier herrscht schon mal öfter eine kräftige Brise.“
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(Ergänzend dazu: Und wir merken bald, die Brisen haben sich darauf verlegt, schnell und wenig vorhersehbar herumzuspringen, ihre Richtungen zu ändern und vor allem: sich nicht an die Vorhersagen zu halten. Abgesehen davon beherrschen die üblichen kleinen Überraschungen das Inselrevier und geizen nicht mit bemerkenswerten Kap- und Düseneffekten und erstaunlich beschleunigten Böen von den steilen, hohen Klippen und Inselbergen. Insofern ist Flexibilität gefragt. Und bald wundern wir uns nicht mehr, wenn sich mitten in der Nacht der versprochene Nordwest als Südwind entpuppt und ungebremst mit 15 statt 5 Knoten in die Ankerbucht bläst und natürlich die entsprechenden Wellen mit hineindrückt. Madrugada gebärdet sich trotz seiner 21 Tonnen in ungestümem Veitstanz, und die gegen Rumpf und unters Heck schlagenden Wellen lassen Boot und Trommelfelle erzittern. Letztlich ist alles nicht so schlimm. Denn wir sind zutiefst ausgeruht und holen den rudimentären Nachtschlaf nach dem Umlegen auf die andere, nun leewärtige Inselseite einfach nach. Na, die Segler unter den Blog-Lesern wissen, was ich meine. Äolus, du Lausbub, wir lieben dich trotzdem. Auch wenn du uns ständig mit der Suche nach geschützten Ecken und Buchten vor deinen windigen Launen beschäftigst.)
„Lipari hat als größtes Eiland des Archipels rund 40 Quadratkilometer Fläche (etwa das Doppelte von Langeoog), knapp 13.000 Einwohner und ist Dreh- und Angelpunkt für Tourismus und Handel. … Das Inselinnere ist relativ grün, der höchste Berg ragt gut 600 Meter in den meist strahlend blauen Himmel. Mopeds knattern durch enge Gassen, in Bars und Restaurants herrscht italienisches Wohlleben – ein Eiland, …
Salina ist die zweitgrößte Insel … Im Gegensatz zu ihren Schwestern verfügt sie über eine Süßwasserquelle und ist besonders fruchtbar. Große Teile der Fläche stehen unter Naturschutz, es gibt leckeren Wein aus lokalem Anbau und außerdem jede Menge Kapern, die zu den Haupt-Exportartikeln zählen. …
Bei starkem Wind und entsprechendem Seegang kann es schon mal passieren, dass das Fährschiff auf dem nördlich gelegenen Stromboli nicht anlegen kann – dann sitzen die Urlauber hier für einige Zeit fest. Die feurigste Insel der Äolen, seegeborener Bruder von Vesuv und Ätna mit 924 Meter Höhe über und 2000 Meter unter der Meeresoberfläche, eruptiert zuverlässig etwa alle 15 bis 20 Minuten. Lässt glühende Brocken die Sciara del Fuoco, die Feuertreppe, hinabsausen, dient Seefahrern seit Urzeiten als Wegweiser und zeigt mit einer Fontäne aus Feuer und Rauch sogar die Windrichtung an: ein Mega-Leuchtturm mit Gratisstrom direkt aus der Hölle. Strombolis kleiner Hauptort,kaum 400 Einwohner groß, schmiegt sich hinter dem schwarzen Lavastrand an den grummelnden Fünf-Sterne-Vulkan. Aschefelder an dessen Ostflanke werden von mutigen Kletterern schon mal zum Bergab-Rodeln genutzt. Auf der Rückseite der Insel liegt Ginostra, Bonsai-Ort mit ein paar Dutzend Einwohnern, einem der kleinsten Häfen der Welt und nur auf dem Seeweg erreichbar. Sollte sich Stromboli mal wieder nachhaltig räuspern, wie zum Beispiel 1930, helfen da nur noch Beten und die Evakuierung per Hubschrauber.
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Galerie Äolische Inseln Teil I
LIPARI – SALINA – STROMBOLI
















































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